Treffen mit dem NABU Regionalvorstand Ostfriesland

Treffen mit dem Regionalverbands-Vorstand des NABU Ostfriesland

 

Am 14. Juni hatte ich eine Zusammenkunft mit dem Vorstand des Regionalverbandes des NABU Ostfriesland

An dieser Stelle möchte ich mich schon mal bei Elke Dirks bedanken für den informativen Austausch.

Der NABU ist in Ostfriesland sehr breit aufgestellt. Es gibt eine Reihe von Ortsgruppen, die sich aktiv in die Naturschutzarbeit vor Ort einbringen. Der NABU-Landesverband betreibt an der Küste einige Nationalparkhäuser, wie z.B. in Greetsiel. Der Woldenhof in Wiegboldsbur wird als Schulbauernhof betrieben zur Umweltbildung für Schüler. Gleichzeitig betreibt der Woldenhof aktive Landschaftspflege auf NABU-eigenen Flächen und auf Kompensationsflächen in der Emsmarsch, am Großen Meer oder z.B. in Tannenhausen. Ebenfalls in Wiegboldsbur ansässig ist eine der drei vom NABU-Landesverband betriebenen Ökologischen Stationen. Die ostfriesische Station arbeitet mit den unteren Naturschutzbehörden der Landkreise Aurich und Wittmund sowie der Stadt Emden zusammen. Es geht u.a. darum, die Landkreise bei der Umsetzung ihrer Verpflichtungen zur Schaffung eines günstigen Erhaltungszustandes für die Natura 2000 Schutzgebiete zu unterstützen. Dafür arbeitet die Ökologische NABU-Station Ostfriesland auch mit den Landnutzern, den Gemeinden und Verbänden zusammen. Die EU hat dem Land Niedersachsen auferlegt, bis 2018 alle FFH-Gebiete und Vogelschutzgebiete in Landesrecht –also als LSG oder NSG – zu überführen. Bis 2021 müssen für die FFH-Gebiete  Managementpläne aufgestellt sein. Die Landkreise sind dafür zuständig, für die Gebiete, Lebensraumtypen und zu schützenden Arten wieder einen guten Erhaltungszustand herzustellen. Im Tätigkeitsbereich der Ökologischen Station geht es dabei um rund 20.000 ha. Unter dem Dach der Ostfriesischen Landschaft wirkt der NABU mit in der Kooperation Landwirtschaft-Naturschutz.

Kürzlich hatte der NABU sich eindeutig für ein Moratorium beim Windkraftausbau in Ostfriesland ausgesprochen. In vielerlei Hinsicht ist dem Natur- und Vogelschutz in den letzten Jahren nicht ausreichend Beachtung bei der Ausweisung von Windenergie-Vorrangflächen erwiesen worden. Das hat zur Folge, dass es jetzt Windkraftanlagen z.B. in Bereichen gibt, die eigentlich dem Vogelschutz vorbehalten sein sollten. Mittlerweile weiß man, dass Vögel durch die Rotoren getötet werden können. Daher sieht der NABU Nachholbedarf bei der Entwicklung eines nachhaltigen und dauerhaft tragfähigen Konzeptes für die Windkraft in Ostfriesland und Korrekturbedarf bei Fehlern der Vergangenheit. Wir waren uns einig, dass gerade in Ostfriesland durch die Massierung der Anlagen die Akzeptanz in der Bevölkerung stark gesunken ist. Gleichwohl sind wir uns ebenfalls einig, dass wir in Deutschland den Ausbau der erneuerbaren Energien voranbringen wollen, wenn wir die fossilen Energieträger zurückdrängen wollen um die Erderhitzung zu stoppen.

Deshalb widmet der NABU sich auch dem Moorschutz. Moorböden sind CO2-Speicher. Wir erhalten sie, damit kein zusätzliches CO2 freigesetzt wird. In Tannenhausen führt der NABU ein Projekt durch, in welchem auf einer ca. 60 ha großen Fläche eines bislang nicht abgetorften Hochmoorfeldes die Torfmineralisation weitgehend gestoppt und wieder neues Moorwachstum zur Bindung von CO2 initiiert werden soll. Der NABU war über seine Ortsgruppe in Wiesmoor ebenfalls beteiligt daran, dass im Bereich Marcardsmoor ein Kompromiss zur Begrenzung des Torfabbaus mit der Torfindustrie gefunden wurde. Seltenen Pflanzen- und Vogelarten der Moorlandschaften soll ihr Lebensraum erhalten bleiben.

Ein weiteres wichtiges Thema für den NABU ist die Beschäftigung mit Kompensationsflächen. Sie werden geschaffen als Ausgleich für Flächenverbrauch bei der Schaffung von Siedlungen, Gewerbeflächen, Straßenbau und anderen Eingriffen in Natur und Landschaft. Abgesehen davon, dass es unser Ziel sein muss, den Flächenverbrauch zu minimieren, geht es darum, die mit den Kompensationen verbundenen Zielsetzungen möglichst effizient und wirksam zu erreichen. Auf vielen Kompensationsflächen ist es in Ostfriesland auch das Ziel, die Lebensbedingungen für Wiesenvögel und andere Arten zu verbessern. Dazu dürfen diese Flächen nicht nur sich selbst überlassen werden, sondern erfordern mit gewissen Vorgaben eine zuverlässige und den Anforderungen der Arten entsprechende Bewirtschaftung. Vor allem bei vielen Flächen in der Zuständigkeit der Gemeinden gibt es nach Bewertung des NABU noch sehr viele Rückstände, die es aufzuholen gilt. Der NABU bedauert, dass es unter anderem auch im Landkreis Aurich und für die Städte und Gemeinden kein vollständiges und öffentliches Kataster der Kompensationsflächen gibt. Somit fehlt die Transparenz, ob tatsächlich der Zweck der Kompensation erreicht wird.

Große Probleme sieht der NABU in der intensiven Grünlandbewirtschaftung. Die dort praktizierte frühe Mahd zum Zwecke der Silagebereitung und die starke Entwässerung der Flächen sind nur schwer mit dem Wiesenvogelschutz zu vereinbaren. Zu bevorzugen wäre eine Futterbereitung aus Heu von feuchten Wiesen, da diese später gemäht werden. Dadurch wird der Bruterfolg der Wiesenbrüter erhöht. Der NABU sieht hier daher unter anderem dafür Handlungsbedarf, die Vertragsnaturschutzangebote zu verbessern und effizienter zu gestalten, damit landwirtschaftliche Betriebe diese Wirtschaftsweise auch wirtschaftlich konkurrenzfähig durchführen können. Gleichwohl hält der NABU auch weiterhin den Flächenerwerb zu Zwecken des Naturschutzes für unverzichtbar.

Ein wichtiges Anliegen von Elke Dirks ist es, im Zuge der Verschiebung der Agrarförderung von der ersten auf die zweite Säule zu erreichen, dass für Naturschutzflächen in öffentlicher Hand eine Fördermöglichkeit geschaffen wird. Es besteht die Gefahr, dass aufgrund verringerter Zahlungen im Rahmen der ersten Säule Naturschutzflächen uninteressant werden für landwirtschaftliche Nutzungen.