Wanderung am Ostende der Insel

Jürgen Trittin in Norddeich und auf Norderney

 

Besuch von Jürgen Trittin in Norden-Norddeich und auf Norderney

 

Zum Auftakt unseres Wahlkampfes besuchte unser niedersächsischer Spitzenkandidat Jürgen Trittin am 10. Juli Norden-Norddeich und am 11. Juli Norderney. An beiden Tagen habe ich Jürgen begleitet.

Jürgen Trittin ist in den beiden Kabinetten von Gerhard Schröders rot-grüner Regierung als Minister für Umwelt und Reaktorsicherheit tätig gewesen. Mit seinem Namen ist untrennbar der Atomausstieg sowie das Erneuerbare Energien Gesetz verbunden. Aber auch das Dosenpfand oder die Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes und viele andere umweltpolitischen Entscheidungen sind mit seinem Namen verbunden. Er ist Mitglied des Auswärtigen Ausschusses im Bundesag.

Zunächst hatten wir einen intensiven Gedankenaustausch in der Betriebsführungszentrale des dänischen Energiekonzerns Dong-Energy. Die Erzeugung von Windenergie in Offshore-Windparks ist der Schwerpunkt der Tätigkeit dieses Konzerns. Dong wird in den nächsten Jahren die Erzeugung von Kohlestrom beenden und sich ganz auf die Produktion von regenerativem Strom konzentrieren. In Norddeich werden die von Dong betriebenen Offshore Windparks überwacht und von hier aus werden Wartungsteams per Schiff oder Helikopter zu den Parks gebracht. Jürgen machte deutlich, dass der Ausbaudeckel für den Zubau von regenerativem Strom bei einer grünen Regierungsbeteiligung abgeschafft wird. Der schwarz-rote Ausbaudeckel konterkariert die Klimaschutzziele des Pariser Abkommens. Gleichzeitig kritisierte Jürgen die Tatsache, dass der klimaschädliche und billige Kohlestrom aus abgeschriebenen alten Kohlekraftwerken den Strompreis an der Leipziger Strombörse verzerrt. Wir benötigen keine Kohlekraftwerke für die Bereitstellung der Grundlast. Die Offshore-Kraftwerke sind in der Lage, permanent Strom zu liefern, da sie bereits bei rund 6,5 m/s Volllast produzieren. Deswegen und wegen der Klimaschädlichkeit fordern wir das Ende der Kohleverstromung bis 2030 und die Abschaltung der schmutzigsten 20 Kohlekraftwerke sofort. Gleichzeitig führt der viel zu niedrige Strompreis dazu, dass es keinen Unterschied zwischen Nachttarif und Tagtarif gibt. In der Folge ist es unattraktiv, Strom z.B. in Pumpspeicherkraftwerken zu speichern. Volker Malmen, der Deutschland-Geschäftsführer von Dong erläuterte uns anschaulich die Geschäftspolitik seines Unternehmens. Durch frühzeitige Weichenstellung in Richtung Offshore-Windkraft konnte Dong Kostenvorteile realisieren und plant für 2024 die Produktion von Strom ohne staatliche Zuschüsse.

Bei der Kurverwaltung in Norddeich gab uns der Geschäftsführer Armin Korok eine Überblick über die Anstrengungen seines Unternehmens, die Ziele des Nationalparks und Unesco-Weltnaturerbes Niedersächsisches Wattenmeer mit dem Tourismus in Norden-Norddeich zu verknüpfen. Arndt Meyer-Vosgerau und der Norder Nationalpark-Ranger Onno Gent ergänzten die Ausführungen. Nachhaltiger Tourismus geht einher mit möglichst geringem Ressourcenverbrauch und der Vermittlung der Einzigartigkeit des Weltnaturerbes und dessen Schonung. Auch viele Einheimische sind sich gar nicht bewusst, welche außergewöhnliche Landschaft wir jenseits des Nordseedeiches haben. Auch hier versucht die Kurverwaltung mit Informationen und Veranstaltungen Lücken zu schließen. Das Gespräch brachte viele Übereinstimmungen hinsichtlich des Bestrebens, den öffentlichen Personenverkehr so zu entwickeln, dass die Besucher von Norden-Norddeich auf die Anreise im eigenen PKW verzichten. Ein wichtiges Projekt an der Küste ist die Bezuschussung des Urlauberbusses. Urlauber können für 2 Euro per Bus entlang der Küste die verschiedenen Orte besuchen. Die Kurverwaltung bezuschusst zusätzlich die Buslinie zwischen Norddeich und Norden, so dass für diese Strecke nur 1 Euro zu bezahlen ist. Die Fahrgastzahlen sind außerordentlich hoch und zeugen von einer großen Akzeptanz dieses Angebotes.

Am Montagabend sprach Jürgen dann im Hotel zur Post in Norden alle wichtigen aktuellen politischen Themen an. Mit den rund 35 Teilnehmern schloss sich dann eine intensive Diskussion an. Bedanken möchte ich mich bei den Norder Parteifreunden um den OV-Vorsitzenden Gerd-Dieter Köther  und bei Annegret Rutsch vom Kreisverband Aurich-Norden für die Vorbereitung der Veranstaltung im Hotel zur Post.

Am nächsten Morgen ging es mit der Fähre nach Norderney. Zunächst hatten wir im Nationalparkhaus Wattwelten eine Führung durch Sonja Wolters, der Leiterin des Hauses. Zielsetzung ist es, den Urlaubern und Gästen die Schutzbedürftigkeit von Flora und Fauna im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer vor Augen zu führen. Menschliches Handeln hat zu einer dramatischen Verringerung der Artenvielfalt geführt. Gleichzeitig ist das Wattenmeer eine einzigartige Naturlandschaft, deren natürliche Entwicklung gewährleistet sein muss. Im Nationalparkhaus wird intensive Umweltbildung betrieben. Neben Urlaubern kommen auch immer wieder Schulklassen, für die es besondere Angebote gibt. Von Frau Wolters wurde insbesondere auf den Umstand hingewiesen, dass Personalknappheit ein ständiger Begleiter ihrer Arbeit ist. Viele Dinge könnte man bei besserer Personalausstattung noch in Angriff nehmen. Sehr hoch bewertet werden muss die Unterstützung durch die Stadt Norderney. Sie ist Trägerin der Einrichtung zusammen mit dem BUND und der Nationalparkverwaltung. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind Angestellte der Stadt. Einen Teil der Neubaukosten des Hauses, welches 2015 fertiggestellt wurde, wurde über den städtischen Haushalt finanziert.

Bei der Firma Limnomar informierte uns dessen Leiter Bernd Daehne über die Forschungaktivitäten seines Unternehmens im Bereich biozidfreier Schiffsanstriche und Schiffsbeschichtungen. In den vergangenen Jahren ist das Bewusstsein gereift, dass durch früher verwendete Schiffsanstriche erhebliche Mengen von Giftstoffen im Meer freigesetzt wurden und zu Schädigungen an Meerestieren und auch an Fischen führten. Limnomar erhält seine Aufträge aus der privaten Wirtschaft. Es werden aber auch Auftragsarbeiten für staatliche Stellen und auch Gutachten ausgeführt. Wie so häufig ist in diesem Bereich der Konflikt zwischen wirtschaftlichen Interessen und Ansprüchen von Umwelt- und Naturschutz sichtbar und bedarf staatlicher Regelungen. Freiwilligkeit z.B. im Hinblick auf den Verzicht auf giftige Materialien hat in der Vergangenheit nicht zu einer Verbesserung der Situation geführt.

Zusammen mit Bernd Oltmanns von der Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven sowie den beiden Nationalparkrangern Nico Erdmann und Niels Biewer ging es dann im Inselosten um die vielfältigen Tätigkeiten der Ranger. Neben Vogelbeobachtung, Müllsammeln, Absperrung von bestimmten Brutgebieten geht es auch bei ihrer Tätigkeit immer auch um die Vermittlung der Schutzbedürftigkeit des Nationalparks. Bernd Oltmanns erläuterte uns am Grohdepolder die Renaturierungsmaßnahmen in den Salzwiesen, welche als Ausgleichsmaßnahmen von der Fa. Tennet finanziert wurden. Hierzu wurde am gleichen Tag auch eine Ausstellung im Nationalparkhaus eröffnet. In den nächsten Wochen wird Tennet Bohrungen für die Kabelverlegung von Offshorewindstrom durchführen. Hierfür gibt es nur ein enges Zeitfenster, um die die Beeinträchtigung des Nationalparks gering zu halten.

Vor über 400 Zuhörern hielt Jürgen um 18 Uhr eine spannende Wahlkampfrede auf dem Kurplatz. Auch hier streifte er alle wichtigen politischen Themen vom G20 Gipfel über VW bis zur Rente. Neben zahlreichen Urlaubern waren auch etliche Norderneyer der Einladung des Ortsverbandes der Grünen gefolgt. Karin Rass, das Urgestein der Norderneyer Grünen, führte gewohnt gekonnt durch die Veranstaltung. Der Zwischenapplaus aber auch der Applaus zum Schluss zeigte, dass Jürgen den richtigen Ton traf und Anerkennung bei den Zuhörern fand.

Im Weißen Saal des Konversationshauses gab es dann einen Bürgerdialog. Auf dem Podium nahmen unter der souveränen Moderation von Anke Dröst vom Ortsverband neben Jürgen noch Bernd Tobiassen, Holger Schönemann und ich. Ausgiebig haben wir mit den rund 100 Teilnehmern über Fragen aus den Bereichen Landwirtschaft, Energie und Flüchtlingspolitik gesprochen. Erschütternd waren die Ausführungen von DRK-Mitarbeiter und Flüchtlingsbeauftragten des Landkreises Aurich, Bernd Tobiassen in Bezug auf die Probleme rund um den Familiennachzug. Hier führen künstliche bürokratische Hindernisse zu Tragödien, die für die überwiegend sowieso schon traumatisierten Menschen, vor allem Kinder, zu zusätzlichen seelischen Belastungen werden. Jürgen versprach, dass es mit grüner Regierungsbeteiligung bestimmte Verfahren und Regelungen in diesem Bereich nicht mehr geben wird. Damit machte er einmal mehr deutlich, dass es ohne Grüne keine gute Flüchtlingspolitik gibt. Der Titel seiner Wahlkampfrede hatte auch deshalb den Titel:

Darum Grün wählen bei der Bundestagswahl am 24. September.

Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei Stephan Geschke und allen Mitgliedern des Norderneyer Ortsverbandes der Grünen für die tolle Organisation des Besuchsprogramms.

Außerdem bedanke ich mich bei allen Gesprächspartnern, dass sie uns empfangen haben und sich Zeit für uns genommen haben.

Ein besonderer Dank an Stephan Geschke für die Fotos.

Jürgen Trittin wird am 30. August zusammen mit Julia Verlinden ein weiteres Mal in unseren Wahlkreis Aurich-Emden kommen.

Auf dem Foto bei der Fa. Dong: mit Volker Malmen und Annegret Rutsch (KV Aurich-Norden)

Auf dem Foto bei der Kurverwaltung mit Arndt Meyer-Vosgerau, Annegret Rutsch, Armin Korok, Onno Gent

Auf dem Kurplatz : mit Karin Rass (Foto: Joachim Trettin)

Am Oststrand: mit den Nationalparkrangern Nico Erdmann und Niels Biewer, Bernd Oltmanns von der Nationalparkverwaltung, Anke Dröst und Stefan Wehlage

Vor den Wattwelten: mit der Leiterin Sonja Wolters.

Bei Limnomar: mit dem Ehepaar Daehne, Stefan Wehlage, Anke Dröst

Auf der Aussichtsdüne: mit Stefan Wehlage und Michael Kollmann