Am Klärwerk Norderney, von links: Karin Rass, Anke Dröst, Stefan Wehlage, Peter Meiwald, Fridolin Mai und ich.

Mit Peter Meiwald auf Norderney

Mit Peter Meiwald auf Norderney

Am Dienstag, 18. Juli habe ich MdB Peter Meiwald zu einem Informationsbesuch auf die Insel Norderney begleitet. Peter ist im Jahr 2013 über unsere Landesliste in den Bundestag eingezogen. Er vertritt den Wahlkreis Oldenburg-Ammerland und betreut als Abgeordneter unseren Wahlkreis mit. Peter ist der umweltpolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion und Mitglied des Umweltausschusses.

Per Fahrrad ging es zum Inselklärwerk am Südstrandpolder. Begleitet wurden wir von unseren Norderneyer Parteifreunden, neben dem OV-Vorsitzenden Stephan Geschke waren das die Ratsmitglieder Anke Dröst und Stefan Wehlage sowie Karin Rass und Barbara Bakker-Dinkla.

Fridolin Mai arbeitet seit über 30 Jahren im Klärwerk und ist dessen Leiter. Mit beeindruckender Fachkompetenz erläuterte er uns die Besonderheiten und Probleme, mit denen man es bei der Abwasserbeseitigung auf der vom Tourismus geprägten Insel zu tun hat.

Die Anlage hat eine Kapazität von rund 49.000 Einwohnergleichwerten. In den Sommermonaten ist die Anlage fast ausgelastet, in den Wintermonaten zu rund 30%. Das bedeutet im Sommer eine Abwassermenge von 4500 cbm pro Tag, im Winter sind es rund 1800 cbm.

Besondere Probleme treten auf, wenn über die Toiletten Dinge entsorgt werden, die zu Materialschäden führen (insbesondere Feuchtetücher) oder wenn Fette entsorgt werden. Die Anlage arbeitet je nach Jahreszeit mit zwei oder drei Belebungsbecken. Am Ende der Klärung fließt sauberes geklärtes Wasser über eine Rohrleitung am Südstranddeich in die Nordsee. Entscheidend ist, dass das geklärte Wasser bestimmte Parameter, besonders für Stickstoff und Phosphat einhält. Beim Stickstoff unterschreitet die Anlage mit 3,5 mg/l den vorgeschriebenen Grenzwert deutlich, ebenso mit 1,5 mg/l den von Phosphat ebenfalls. Sticksoff und Phosphat sind verantwortlich für die Überdüngung unserer Gewässer.

In Vererdungsbeeten wird der Klärschlamm nach dem Klärungsprozess gelagert. Hier verliert er noch einen Teil seiner Flüssigkeit und wird in regelmäßigen Abständen auf das Festland gebracht. Klärschlamm ist für die Landwirtschaft ein wertvoller Dünger. In Ökobetrieben darf er nicht eingesetzt werden. Klärschlämme können durch Schwermetalle, Rückstände aus Arzneimitteln oder auch durch Mikroplastik belastet sein.

Da unsere Landwirtschaft durch die intensive Viehhaltung einen Nährstoffüberschuss produziert, wird es in Zukunft u.U. keine landwirtschaftliche Verwertung für Klärschlämme geben. Insofern gilt es, nach Alternativen zu suchen. Peter konnte aus seiner Tätigkeit von verschiedenen Verfahren berichten, die derzeit in der Erprobung sind.

Im Anschluss an den Besuch im Klärwerk ging es zum Weststrand, dem Hauptbadestrand. Unsere Norderneyer Freunde hatten am Abend vorher am Strand am Ostende der Insel mehrere Beutel voll Müll gesammelt. Dieser Müll wurde zu Demonstrationszwecken auf einem Tisch aufgetürmt. Wir kamen mit zahlreichen Inselgästen über die Müllproblematik ins Gespräch. Eindrucksvoll war auch das gut sichtbare rund 40 km entfernte RWE-Kohlekraft im niederländischen Eemshaven. Es bot einen guten Anknüpfungspunkt für die zentrale grüne Wahlkampfforderung nach einem Ausstieg aus der Kohle sowie der Abschaltung der 20 schmutzigsten Kohlekraftwerke sofort. Sehr anschaulich konnte man in nördlicher Richtung, ebenfalls rund 40 km entfernt, eine Reihe von Offshore-Windkraftanlagen sehen, die einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten.

Zum Abschluss machten wir noch einen kurzen Besuch in der Kaffeerösterei „Bittersüß“ an der Strandstraße. Auch hier ging es um das Thema Müllvermeidung. Die Inhaber Stephan Freisleben und Mathias Schnatz berichteten uns, wie sie der unglaublichen Abfallflut durch Coffee-to-go-Becher begegnen. Es werden nur wiederverwertbare Becher eingesetzt. Sinnvoll ist es, wenn die Kunden einmal erworbene Becher mit sich führen. Die Inhaber geben den Kundinnen und Kunden dafür finanzielle Anreize. Gleichzeitig wird in dem Betrieb versucht, die Produkte an die Kunden möglichst unverpackt abzugeben. Der Betrieb hat deshalb zu Recht im vergangenen Jahr den ersten Norderneyer Innovationspreis bekommen.

An dieser Stelle noch Mal ein herzliches Danke schön an alle, die an der Gestaltung des Tages teilgenommen haben.

Auf dem Foto am Weststrand: Barbara Bakker-Dinkla, Anke Dröst, Stefan Wehlage, Stephan Geschke. (Foto: Joachim Trettin)