Gerold Conradi, im Hintergrund das Kohlekraftwerk

Mit der GRE 24 „Friedrich Conradi“ auf Krabbenfang

Am Mittwoch, d. 26. Juli um Mitternacht hieß es „Leinen los“ im Hafen von Greetsiel für ein einmaliges Erlebnis, zu dem der Fischer Gerold Conradi aus Greetsiel den umweltpolitischen Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, Peter Meiwald auf seinen Kutter „Friedrich Conradi“ eingeladen hatte. Und der wiederum hatte mich als Begleitung eingeladen.

Die Reise führte uns durch die Schleuse Leysiel und durch das Wattfahrwasser zwischen der Krummhörn und Borkum in Richtung Eemshaven. Ca. gegen 2 Uhr morgens hatten wir das Fanggebiet erreicht, welches sich von Eemshaven an Borkum vorbei in Richtung des Windparks Riffgat erstreckt. Die Fischerkutter fangen immer mit der Strömung. So begannen wir zunächst mit dem ablaufenden Wasser entlang der Fahrrinne der Westerems zu fischen. Alle 1,5 bis 2 Stunden werden die Netze eingeholt und der Fang in den großen Auffangbottich entleert. Mit Sven Eden hat Gerold Conradi einen erfahrenen Fischer an Bord, der sich um die Verarbeitung des Fangs kümmert. Währenddessen befinden sich die Netze bereits wieder im Wasser. Die Arbeit auf einem Fischkutter ist heutzutage dank moderner Technik lange nicht mehr körperlich so schwer wie früher. Der Fang wird zunächst in einer großen Siebtrommel grob nach Größe sortiert. Der größte Teil des ohnehin schon dank besonderer Netzkonstruktionen stark reduzierten Beifangs wandert überwiegend ungeschädigt wieder in Meer. Alles was annähernd die Größe von Krabben hat, wird in einer großen Kochtrommel schonend gekocht. Anschließend erfolgt eine zweite Feinversiebung. Zum Schluß werden auf einem Verlesetisch per Hand noch einzelne Restbestandteile an kleinen Fischen und Krebsen oder Bodenbestandteilen aus dem Fang herausgenommen. Wer Glück hat, findet gelegentlich kleine Bernsteinstücke bei dieser Gelegenheit. Der Fang wandert von dieser Station über ein Fallrohr in die Kühlkammer des Schiffes und wird dort in die Kisten der Erzeugergemeinschaft oder des Händlers gefüllt.

Zwischen Borkum und dem Windpark wurde die See deutlich unruhiger, was bei mir zu den Erscheinungen führte, die sicher viele schon mal als Seekrankheit erlebt haben. Glücklicherweise ging dieser Zustand schnell vorbei. Mit dem beginnenden Flutstrom änderte sich unsere Fahrtrichtung wieder und wir nahmen Kurs auf Eemshaven.

Peter und ich machten uns soweit es ging beim Verarbeiten des Fangs nützlich und ließen uns von Gerold und Sven viel Interessantes aus ihrem Berufsleben berichten.

Im Jahr 2011 geriet der Markt für Krabben aufgrund eines Überangebotes in ein absolutes Preistief, in dessen Folge die Fischer an der gesamten Nordseeküste vorübergehend ihre Fangaktivitäten einstellten. Nach der Erholung des Marktes verzeichneten die Fischer normale Fangergebnisse und auch normale Preise. Das Jahr 2016 und auch das aktuelle Jahr sind von sehr niedrigen Fangergebnissen geprägt. Dadurch sind die Krabbenpreise enorm gestiegen. Den Rückgang der Fangmengen führt Gerold hauptsächlich auf die starke Ausdehnung von Fraßfeinden, wie z.B. dem Wittling, zurück.

Nach der Preiskrise von 2011 hat sich ein Teil der deutschen Krabbenfischer zu einer Erzeugergemeinschaft zusammengefunden, in der Gerold als zweiter Vorsitzender wirkt. Der Erzeugerzusammenschluss führt zu einer Stärkung der Marktposition der Fischer gegenüber dem Handel.

Die deutschen Krabbenfischer streben das MSC-Siegel für ihr Produkt an. MSC ist die Abkürzung für Marine Stewardship Council. Dieses Siegel steht für eine nachhaltige Fischerei und verlangt von den Fischern die Einhaltung bestimmter Regeln zur Bestandserhaltung und zum Schutz des Ökosystems Wattenmeer. Ein besonderes Augenmerk gilt der Verminderung des Beifangs. Von Umweltverbänden gibt es Kritik an den Kriterien von MSC. Dennoch ist es zu begrüßen, dass sich die Krabbenfischer der Zertifizierung stellen. Die Fischer müssen ihre Tätigkeit genau dokumentieren. Gleichzeitig wird es auch in regelmäßigen Abständen eine Überprüfung der Auswirkung der veränderten Fangmethoden auf Flora und Fauna im Wattemeer geben.

Sorge bereitet den Fischern im Mündungsgebiet der Ems die Verklappung von Baggermaterial der niederländischen Baggerarbeiten zur Vertiefung des Emsfahrwassers von der Nordsee bis nach Eemshaven. Zum Teil werden dadurch Fanggebiete der Krabbenfischer vernichtet. Gleichzeitig gibt es von Naturschutzverbänden Kritik an den Verklappungen, da negative Auswirkungen auf Flora und Fauna im Wattenmeer zu erwarten sind. Wir konnten das Einlaufen eines großen Kohlefrachters in den Hafen von Eemhaven beobachten. Er hatte nicht mehr den vollen Tiefgang, so dass wir vermuten, dass er vorher noch einen anderen Hafen angelaufen hatte. Steinkohle wird unter unmenschlichen Bedingungen und mit großen Schäden für Wasser und Böden z.B. in Kolumbien gefördert.

25 Stunden auf See haben uns einen guten Eindruck gewinnen lassen von der anstrengenden Arbeit der Krabbenfischer und ihrem Bemühen, den Ausgleich zwischen ökologischen und wirtschaftlichen Erfordernissen zu bewerkstelligen.

Herzlichen Dank an dieser Stelle an Gerold Conradi und auch an Sven Eden vom Kutter GRE 24.