Ein Löffler am Deich bei Pilsum, Foto: Onno Gent

Mit Peter Meiwald in Pilsum und Aurich

Am 10.8. stand zunächst eine rund zweistündige Führung durch den Nationalparkranger Onno Gent auf dem Programm. Mit von der Partie war der umweltpolitische Sprecher unserer Bundestagsfraktion, Peter Meiwald sowie unsere Landtagskandidatin im Wahlkreis Emden-Norden, Claudia Steinhoff. Am Deich beim Pilsumer Leuchtturm lenkte Onno unser Augenmerk zunächst auf das rund 47 ha große Naturschutzgebiet auf der Landseite des Deiches. Hier wurden nach der großen Leybuchtbaumaßnahme vor rund 20 Jahren aus der Kleientnahmestelle ein Naturparadies geschaffen. Verschiedenste Vogelarten halten sich hier auf. Beeindruckend war z.B. ein großer Schwarm Löffler, der sich dort aufhielt. Rund 28 Brutvogel-Arten konnten dort bislang nachgewiesen werden, viele davon befinden sich auf der Roten Liste, wie z.B. Rohrweihen, Flußseeschwalben, Bartmeisen oder Rotschenkel.

Gastvögel sind dort u.a. der Große Brachvogel, Wiesenweihen oder auch Kormorane. Am Rande des Naturschutzgebietes befinden sich zwei Vogelbeobachtungshütten des NABU.

Mit dem Fahrrad ging es dann in Richtung Schleuse Leysiel. Auf einer Sandinsel auf dem Sieltief halten sich viele Wiesenbrüter auf. In den letzten Jahren beobachtete man einen geringen Bruterfolg bei den Vögeln. Die Ursache waren Füchse, die die kurze Distanz durch das Fahrwasser geschwommen waren und sich wie im Schlaraffenland an Eiern und Jungvögeln gütlich getan haben. Durch Einzäunung eines Teils der Insel hat man einen Raum für die Vögel geschaffen, der vor Prädatoren (Fressfeinden) sicher ist. Seitdem ist der Bruterfolg sichtlich angestiegen.

Vor der Kulisse des weithin sichtbaren Kohlekraftwerkes Eemshaven gab Onno uns dann noch einen Einblick in seine vielfältigen Arbeitsgebiete. Er ist fast jeden Tag mit seinem Elektro-Lastenfahrrad in seinem Einsatzgebiet von Hilgenriedersiel bis nach Rysum unterwegs. Vögel beobachten und zählen, Müll einsammeln, Verstöße gegen die Nationalparkverordnung verhindern, Urlauber informieren und viele andere Dinge stehen bei dem leidenschaftlichen Umweltschützer täglich auf dem Programm.

Vielen Dank für den informativen Austausch.

Auf den Fotos von Onno Gent:  Ein großer Schwarm Löffler rastet am Deich bei Pilsum.  Peter Meiwald hilft Claudia Steinhoff, die Pforte am Deich zu übersteigen, im Hintergrund das Lastenfahrrad von Onno Gent.

 

 

 

Am Nachmittag hatte dann der Ortsverband Aurich der Grünen eine Fahrradtour zum Thema Mobilität organisiert. Entlang der Trasse der geplant Ortsumgehung B210n ging es von Sandhorst bis nach Extum. An der B210 in Extum soll ein großes Brückenbauwerk entstehen. Hier wurde mit Ballons markiert, bis in welcher Höhe das Bauwerk ragt. Insgesamt führt die B210n über in dem von uns abgefahrenen Bereich über einen Damm, der die Niederung der Sandhorster Ehe teilt. Ein erhebliche Geräuschentwicklung nach Inbetriebnahme der Trasse ist für die Anwohner entlang der Strecke zu erwarten. Die Menschen wollen die Eheniederung als Naherholungsgebiet bewahren und wehren sich deshalb gegen den Bau der Straße. Das Grüne Dreieck zwischen dem jetzigen kanalisierten Lauf der Ehe und dem ursprünglichen alten Verlauf der Ehe auf der Extumer Seite der B210 wird bei Verwirklichung der Trasse zerstört. Die Gegner der B210n aus der Bürgerinitiative BILANZ, die an der Fahrt teilnahmen, wollen das verhindern. Begleitet wurden wir außerdem von zwei Mitgliedern des Vereins Auriculum auf ihren Lastenfahrrädern. Der Verein hat es sich ganz im Sinne der Verkehrswende zur Aufgabe gemacht, daran mitzuwirken, dass sich das Mobilitätsverhalten der Auricher ändert. Viele Wege in der Stadt können umweltfreundlich per Fahrrad zurückgelegt werden. Auch der Transport von Lasten kann problemlos per Lastenfahrrad erfolgen. Der Verein besitzt drei Lastenfahrräder. Das vierte soll demnächst angeschafft werden. Auf einer Internetplattform können die Lastenfahrräder, die an verschiedenen Standorten in der Stadt stationiert sind, kostenlos gebucht werden. Die Standorte sind Fahrrad Block, Biomarkt Baier und das Familienzentrum. Mit von der Partie war zudem der Vorsitzende des ADFC in Aurich, Herr Dieken. Auch sein Verein setzt sich ganz im Sinne der Verkehrswende für ein verändertes Mobilitätsverhalten ein, welches u.a. auch den Ausbau des Radwegenetzes in der Region bedeutet.

Im Nabu-Cafe in der Osterstraße gab es zum Schluss noch eine öffentliche Veranstaltung zum Thema Mobilität, in der Peter Meiwald ausführlich aus seiner parlamentarischen Praxis berichtete. Neben dem Abgasskandal und den Kartellvorwürfen gegen die deutschen Autokonzerne wurde über den Bundesverkehrswegeplan diskutiert, der eigentlich ein Bundesnetzplan sein müsste und natürlich nicht im Schwerpunkt den Neubau von Straßen, wie z.B. die B210n beinhalten dürfte, sondern die Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs, des Schienenverkehrs und auch des Radverkehrs. Wir sind guter Hoffnung, dass sowohl unsere politische Arbeit als auch das Wirken der angesprochenen Vereine und Organisationen zu einer gesellschaftlichen Veränderung im Verkehrsbereich führt. Es gab jedenfalls einen großen Konsens unter allen Teilnehmern, dass die B210n in der Bevölkerung abgelehnt wird und dass es sinnvolle Alternativen gibt, um die Verkehrsprobleme in Aurich zu lösen. Sehr informativ ist die Broschüre der BILANZ zur B210n, die mit umfangreichen Fakten die Begründung für die Ablehnung der B210n liefert. Außerdem verfügt die BILANZ über eine eindrucksvolle Homepage, auf der eine gut gemachte Animation des Straßenprojektes gezeigt wird.

Allen Beteiligten ein herzliches Dankeschön für ihre Teilnahme an dieser Veranstaltung.